EPTK 2018 am Mittwoch 07. und Donnerstag 08.03.2018 auf dem Messegelände Nürnberg

POLIZEITRAINER FACHSEMINAR am 15. November 2014 in Wiesbaden

POLIZEITRAINER FACHSEMINAR am 15. November 2014 in Wiesbaden

Seminar_November

Bericht von Michaela Burmann

 

Am 15.11. 2014 fand das PiD Fachseminar in Wiesbaden statt.

Eckhard Niebergall begrüßte mehr als 50 Teilnehmer aus dem in- und Ausland, die trotz brisanter Einsatzlage an diesem Wochenende erscheinen konnten.

Das Thema „Messerangriffe“ wird einer Trilogie folgend, nicht nur in diesem Fachseminar, sondern auch im nächsten PiD Magazin und im Rahmen der EPTK 2015 behandelt.

 

Nach der Begrüßung durch Eckhard Niebergall referierte Bernd Pokojewski (Poko) zum Thema Angriffe mit Stichwaffen auf Polizeibeamte. Hierzu stellte er den Sachverhalt „Gaisburger Brücke“ dar, der bereits im Jahre 1990 im PID Magazin veröffentlicht wurde. Im Rahmen seines Vortrages ging er noch auf den Vorfall im Neptunbrunnen in Berlin ein, wo erst vor kurzem ein nackter Mann durch Polizeibeamte erschossen wurde, der diese zuvor mit einem Messer bedroht bzw. angegriffen hatte. Des weiteren führte Poko eine Statistik aus dem Jahr 2013 an, in der 3393 schwerwiegende Angriffe stattgefunden haben.

Im Anschluss referierte Dr. Fank Hagen, Notfallmediziner der Uni-Klinik Mainz über Verletzungsmuster durch Hieb- und Stichwaffen. Seinen Vortrag untermalte er mit eindrucksvollen und zum Teil „umwerfenden“ (einen von uns erwischt es doch immer) Bildern und Videos von Verletzungen durch Hieb- und Stichwaffen. Frank verdeutlichte, dass bereits bei drei Einlieferungen von Schwerverletzten in den Uni-Kliniken die Behandlungsressourcen ausgeschöpft seien und verwies auf die vielen Toten beim „Amoklauf“ in China.

Des weiteren appellierte er aufgrund der Nichtsichtbarkeit von inneren Blutungen daran, die Versorgung von Verletzten alsbald möglich einzuleiten und die Verletzungen nicht zu verharmlosen, da ansonsten ein schleichender Tod eintreten könne.

Poko stellte im nächsten Vortrag dar, wie groß der Einfluss der Unterhaltungsindustrie auf die Erwartungshaltung der Bevölkerung an einen Schusswaffengebrauch sei, er nannte dies den „Hollywoodeffekt“. Des weiteren würden Angriffe auf Angehörige des öffentlichen Dienstes häufig in den Medien verharmlost und die Möglichkeiten der zur Wehr Setzung unverhältnismäßig angehoben. Diesbezüglich stellte er fest, dass kein Einsatzmittel eine 100% Erfolgsquote aufweise.

Es erfolge in den meisten Fällen nach einem Schusswaffengebrauch eine Hetzjagd der Medien auf den Schützen. Poko verwies hierbei auf eine Reportage des RBB „Tödliche Polizeikugeln, wenn psychisch Kranke Opfer sind“, die sehr einseitig recherchiert wurde, eine Betreuung der Polizeibeamten sei auch auf lange Sicht notwendig, weil diese sich häufig Vorwürfe machen würden und eine Bestätigung suchten, richtig gehandelt zu haben.

Professor Erb der Uni Mainz sowie Dr. Dirk Scherp, ehemals Staatsanwalt und nun Rechtsanwalt (er verteidigt mitunter Polizeibeamte nach Schusswaffengebräuchen im Rhein-Main-Gebiet) stellten die Unterschiede im Notwehr- und Eingriffsrecht heraus und fest, dass beide Seiten nebeneinander geprüft werden müssten. Des weiteren sei es wichtig, Fachkundige Zeugen in die Verfahren einzubringen.

Im Anschluss stellte Wolfgang Degen, Gerichtsberichtserstatter und Polizeilicher Berichtsersatter des Wiesbadener Kurier dar, wie wichtig es sei, einen Artikel gründlich und umfassend zu recherchieren. Außerdem kam er zu dem erschreckenden Schluss, dass es für Jugendliche und Heranwachsende Täter häufig normal sei, mit einem Messer bewaffnet aus dem Haus zu gehen, da man nicht nackt auf die Straße gehen wolle.

Er appellierte an die Angehörigen des öffentlichen Dienstes die Medien mit einzubeziehen und über unsere Arbeit aufzuklären, damit die einseitige Berichterstattung und Hetzjagden im Internet auf Betroffene eines Schusswaffengebrauches dezimiert würden und die Artikel objektiver verfasst würden. Er wies auch darauf hin, dass das recherchieren von Hintergrundmaterial in Zeiten des Echtzeitjournalismus immer schwieriger werde und man sich bereits lange im Vorfeld mit den Tätigkeiten der jeweiligen Berufsgruppen auseinandersetzen müsse.

Im Kurzvortag stellte Manuel Bopp (Fa. Bonowi) neue Schnittschutzbekleidung vor und Horst Sandfort räumte mit Vorurteilen gegen die „mobile Personenschutzkamera“ sowie das Distanz-Elektro-Impuls-Gerät auf. Hier blieben mir insbesondere die Auslesbarkeit der Aktionen auf, die aufgezeichnet wurden und einen Mißbrauch des D.E.I.G. aufdecken, sowie die Fesselbarkeit von verriegelten Probanden unter Ausschluss einer Eigengefährdung, solange man die Drähte nicht berühre. Des weiteren stellte er heraus, dass das D.E.I.G. Durch das BKA als Elektroschockgerät klassifiziert und nach dem derzeit gültigen Waffengesetz einen verbotenen Gegenstand darstellt.

 

Zur Autorin:

PK ´in Michaela Burmann ist Einsatztrainerin im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten in NRW

 

 

 

 

 

Die Themen:

 

  1. Angriffe mit Hieb- und Stichwaffen – tödliche Gefahr?
  2. Reduzieren BODYCAM und TASER das Einsatzrisiko?

 

In einer Kombination aus Vorträgen und Diskussionen erörterten Experten aus den

Bereichen Einsatztaktik, Recht und Medizin mit Journalisten, Polizeigewerkschaftern

und Seminarteilnehmern Fragen und Konsequenzen für den täglichen Dienst sowie die

Gestaltung von Training.

 

Unternehmen und Hersteller von BOS-relevanten Produkten waren ebenfalls anwesend,

präsentierten Neu- und Weiterentwicklungen und standen dem Fachpublikum für Fragen zur Verfügung.